Ursprünglich hiess sie Nastja, ich dachte an Anpassung und es wurde Natalie daraus. Ist ja mein Märchen, darf es übersetzen, wie ich will. Dann fand ich aber, dass es schade um den Namen ist. Hier also das ganze Märchen.
- Und
glaub ja nicht, dass ich zurück kommen werde! Ich hasse dich! -
schrie Nastja wütend als sie die Tür hinter sich zuschlug. Sie
schmiss sich die Tasche auf die Schulter und stapfte die Treppe
runter. Warum passiert das jedes Mal? Warum? Zuerst scheint es ein
toller Typ zu sein und dann ist es aber genau so einer, wie der
vorherige Kandidat. In solch düsteren Gedanken stolperte Nastja auf
der vorletzten Stufe und purzelte runter. Gelandet war sie aber mit
einem Aufschrei nicht vor der Ausgangstür, sondern im dunklen
Keller. War sie so in Gedanken, dass sie eine Treppe zu viel runter
gelaufen ist, den Ausgang verpasst hat und weiter runter gegangen
war?
Gottchen
ist es dunkel hier! Nastja versuchte das Treppengeländer zu
ertasten, aber das misslang ihr. Weder eine Treppe, noch ein
Geländer. Nicht einmal Wände. Böse Geschichte! Oh, was leuchtet
denn da? Kann man da vielleicht raus? Wie lange sie ging, war schwer
zu urteilen, denn sie bewegte sich langsam und unsicher. Und der
Boden ist auch noch so uneben. Das Licht kam von einem Türspalt und
Nastja öffnete die Tür vorsichtig. Ein langer Korridor, Regale mit
Kisten und Mappen und irgendwo im hintersten Winkel brennt eine Lampe
auf einem Tisch. Nastja ging auf sie zu und sah, dass es gar kein
Korridor ist, es gibt sehr wohl Gänge zwischen den Regalen und dort
weitere Reihen von Regalen voll mit Kisten und Mappen. Meine Güte,
was ist das bloß?
-
Verzeihung, können Sie mir helfen? Ich glaube, ich habe mich
verlaufen, - sagte Nastja unsicher.
-
Verlaufen? So kann man es auch nennen. Wohin wolltest du? - fragte
der junge Mann.
- Nach
Hause.
- Und wo
ist das?
- Ich
weiß nicht. Ich habe in diesem Haus mit jemandem zusammen gewohnt.
Wahrscheinlich gehe ich zu meiner Mutter oder zu einer Freundin.
- Aha,
das notieren wir auch so.
- Was
denn? - wunderte sich Nastja.
- Noch
eine Enttäuschung, - sagte der junge Mann trocken.
Nastja
sah verwirrt Richtung Ausgang. Soll sie vielleicht nach einer
Taschenlampe fragen?
- Ich
bin Nastja und du? - fragte sie etwas schüchtern.
-
Archivar, - stellte sich der junge Mann vor und hob seine entzündeten
roten Augen hoch.
- Ich
weiß, wer du bist. Ehrlich gesagt, bin ich verwundert dich hier zu
sehen. Du hast anscheinend keine Ahnung, wo du bist, - fuhr er fort.
- Und wo
bin ich? - fragte Nastja erschrocken.
- In
deinem eigenen Kopf, - sagte der Archivar und klopfte sich mit dem
Finger an den Kopf.
Nichts
wie weg hier, der spinnt doch, dachte Nastja.
- Guten
Abend, - hörte sie, als sie sich umgedreht hatte.
- Abend,
- stammelte Nastja und setzte sich vor Überraschung auf die
Tischkante.
-
Archie, wie kommt sie hierher? - fragte eine Männerstimme aus einer
dunklen Ecke.
- Woher
soll ich das wissen? - brummte der Archivar.
Aus der
Dunkelheit kam ein Mann in beigefarbenen Leinenhosen und einem genau
solchen Jacket.
- Und
wer sind sie? - fand Nastja endlich die Kraft zum Fragen.
- Der
Freigeist, - stellte sich der Mann vor und verbeugte sich ganz
leicht.
- Darf
ich ein Glas Wasser? - bat Nastja. Ihr war irgendwie mulmig zumute.
Der Mann
im Anzug schnippte mit den Fingern und streckte ihr ein Glas
entgegen. Nastja roch daran und trank das Wasser langsam aus.
- Ich
muss gehen, - schob sie aus sich heraus.
- Wohin?
- fragte der Mann.
-
Wahrscheinlich nach Hause.
- Gut.
Um zu wissen, wie man irgendwohin kommt, muss man wissen, wo man ist.
Auch ein Navi braucht nicht nur ein Ziel, sondern auch den jetzigen
Standpunkt. Verstehen Sie, wo sie sind?
- Im
Keller? - vermutete Nastja.
- Im
gewissen Sinne, ja, - lächelte der Mann.
- Das
ist das zehnte Level vom Unterbewusstsein. Ziemlich tief.
-
Zehntes Level von was? - hob Nastja die Augenbrauen.
- Hier
bist du, du unverständliches Ding, - klopfte sich der junge Mann an
die Stirn.
Nastja
kam es so vor, als ob sie sich auf einem Schiff bei starkem Sturm
befindet, der Boden versuchte ihr unter den Füßen zu entfliehen.
- Ruhig.
Atme tiefer. Ein und aus, genau so, gutes Mädchen. Also, das ist das
zehnte Level, das ist der Archivar und ich bin der Freigeist. Was
davon verstehst du nicht?
-
Wahrscheinlich alles.
- Dann
mach mal eins nach dem anderem, - schulg der Mann vor und setzte sich
reitlings auf einen Stuhl hin.
- Wer
ist der Archivar? - fragte Nastja.
- Was
meinst du? Was er macht? Wie alle Archivare sammelt er Daten. Sieh
mal wie viele es sind. Hier sind alle deine Erinnerungen, alle deine
Überzeugungen.
- Zum
Beispiel?
-
„Männern kann man nicht vertrauen“.
- Ja,
das stimmt. Und nicht umsonst denke ich so. Ich habe noch keinen
einzigen Mann getroffen, dem ich vertrauen konnte, - gab Nastja zu.
Der
Freigeist lächelte.
-
Richtig, denn alle deine Überzeugungen grenzen dich ein. Wenn du an
etwas nicht glaubst, dann kann es auch nicht geschehen. Wenn du
überzeugt bist, dass alle Männer Missgeburten sind, dann wirst du
auch nur solchen begegnen.
- Und
warum glaube ich daran? - dachte Nastja laut nach.
- Super
Frage! - lobte der Freigeist. - Weil du du so eine Erfahrung gemacht
hast. Unser Archie, der ist ein toller Typ, denk dir nichts. Er
sortiert alle Informationen sehr sorgfältig und findet so alles sehr
schnell. Wenn du kein einziges normales Paar gesehen hast, keine
einzige normale Beziehung, dann weißt du auch gar nicht, dass es
anders sein kann.
- Und
was nun? Ausweg lose Situation? - fragte Nastja bedrückt.
- Auf keinen Fall! Du kannst dir einfach vorstellen, wie ideale Beziehungen sein können. Stell dir die Frage: Was, wenn alles möglich ist? Ist übrigens meine Lieblingsfrage. Ich liebes sie!
- Auf keinen Fall! Du kannst dir einfach vorstellen, wie ideale Beziehungen sein können. Stell dir die Frage: Was, wenn alles möglich ist? Ist übrigens meine Lieblingsfrage. Ich liebes sie!
«Was
wäre, wenn alles möglich wäre?»
Eine
originelle Frage. Sie gibt einem die Freiheit zum Fliegen. Alles
möglich? Dann wird es in einer Beziehung harmonisch sein, der
Partner wird sie unterstützen, wird sich dafür interessieren, was
sie macht und sie werden Gedanken austauschen.
-
Wundervoll! Eine geniale Vision! Jetzt musst du nur noch daran
glauben, - lobte der Freigeist.
- Hör
mal, woher nimmt der Archivar eigentlich Überzeugungen? - fing
Nastja plötzlich Feuer..
- Von
überall her, - antwortete der Freigeist mit einem Lächeln auf den
Lippen. Zuerst glaubst du ja gar nicht, dass es irgendwelche
Begrenzungen gibt. Die Kinder leben und freuen sich. Dann geht es
los: So darfst du reagieren und so nicht. Das ist möglich und das
nicht. Das ist real und das ist naiv. Und so weiter. Eltern,
Erzieher, Lehrer, Freunde, Verwandte, Massenmedien – alle sind
beteiligt. Und sie machen das nicht mit böser Absicht, sie glauben
an etwas und möchten das weiter geben.
Es wurde
heller oder kam es Nastja nur so vor? Und tatsächlich sie waren
schon gar nicht beim Tisch, sondern standen auf einer sonnen
überfluteten Lichtung.
- Wie
sind wir hierher gekommen? - wunderte sich Nastja.
- Keine
Ahnung, - gab der Freigeist zu. - Aber hier gefällt es mir viel
besser.
- Mir
auch, - bestätigte Nastja.
- Zurück
zum Thema. Wenn du diesen Fehler nicht auch machen willst, dann
vergiss dein „Ich habe Recht, die anderen nicht.“ Frag dich
lieber: Welche Sicht der Dinge ist jetzt für mich und alle
Beteiligten am besten?
- Das
ist eine interessante Frage, danke, merke ich mir. Erzählst du mir
noch mehr?
- Weisst
du, was der Unterschied zwischen einer Entscheidung und einer Wahl
ist?
Nastja
schüttelte den Kopf.
- Wenn
du dich entscheidest etwas zu tun, dann nimmst du eine von den dir
bekannten Varianten. Stimmt's? Das kenne ich und das auch. Zum
Beispiel: Dein Chef brüllt dich an. Man kann zusammen kauern, man
kann rot werden, man kann weinen. Das ist deine Entscheidung. Und
wenn du eine Wahl triffst, dann ist viel mehr möglich. Du weißt
nicht, wie es richtig ist, aber du weißt, dass man es besser machen
könnte. Fühlst du den Unterschied?
- Ich
glaube ja. Wird mir das helfen einen passenden Partner zu finden?
- Hast
du ihn denn noch nicht gefunden? - wunderte sich der Freigeist?
-
Möchtest du noch eine nützliche Info? Was glaubst du, wie viel
nimmst du bewusst von deiner Umgebung wahr? Wie viel Prozent?
- Ich
weiß es nicht. Vielleicht 50. Ich habe mal gelesen, dass wenn wir
100% wahrnehmen würden, würden wir an Reizüberflutung leiden.
-
Richtig. Alle Gerüche, jedes einzelne Geräusch, alle dich umgebende
Gegenstände. Du würdest jede Sekunde die Kleidung auf deiner Haut
spüren, würdest fühlen, wie in deinem Körper Zellen sterben und
neue entstehen. Aber es sind nicht 50, sondern nur 0,0003%.
Nastja
weitete die Augen.
- Das
kann nicht sein!
- Und
wie! Weißt du, was das heißt? Aus Tausend dich umgebenden
Gegenständen, nimmst du nur drei bewusst wahr. Und wie viele von den
Tausend Eigenschaften eines bestimmten Menschen siehst du?
Nastja
klinkerte erstaunt mit ihren Augen.
- Das
bedeutet, dass es keinen Sinn hat, den Partner zu wechseln? Ich werde
nur das sehen, was ich im Stande bin zu sehen?
- Das
was du sehen willst, - korrigierte der Freigeist.
-
Nastja! - hörten sie auf einmal eine bekannte Stimme von oben.
- Oh,
ich glaube unsere Lektion ist für heute beendet. Vergiss nie, wir
sind immer bei dir. Der Archivar und der Freigeist und du wählst,
wer dich führt.
Jemand
schüttelte Nastja stark an den Schultern und als sie abrupt die
Augen aufschlug sah sie das Treppenhaus und den Mann, der die Ursache
des Schüttelns war.
-
Andrej? - fragte Nastja.
-
Nastja! Hast du mir einen Schrecken eingejagt. Zugegeben, ich war
sehr wütend auf dich, aber als ich hörte wie etwas die Stufen
runter polterte und dich hier sah…
Er ist
erschrocken, wunderte sich Nastja. Aha, er kann auch erschrocken
sein. Recht hatte der Freigeist, das hat sie einfach nicht gesehen.
Was hat sie wohl noch nicht sehen wollen?
Ach so, das Original ist hier.
Und danke an Veit Lindau, der mich zu dieser Geschichte mit seinem Kurs LoveRevolution inspiriert hat.
Und danke an Veit Lindau, der mich zu dieser Geschichte mit seinem Kurs LoveRevolution inspiriert hat.

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