Dienstag, 17. November 2015

Lass dein Licht leuchten


Zwei feuerrote Streifen durchzogen den Himmel.

- Mama, was soll ich nur tun?
- Was meinst du mein Kind?
- Wenn ich so glühe, wie es sich für mich gut tut, dann verbrennen sich an mir die anderen. Sie fühlen sich von mir bedrängt.
- Lass uns runter gehen.

Zwei wunderschöne Feuervögel flogen senkrecht auf ein Felsplateau zu, schlugen auf und verbrannten zu Asche. Aus der Staubwolke formten sich zwei Gestalten, eine Frau und ein Mädchen. Die Konturen wurden fester, zwei brennende Menschen setzten sich gegenüber.
- Ich bin erstaunt, dass du das jetzt schon dein Feuer weniger heiß brennen kannst, - sprach die Frau.
Das Mädchen war sichtlich stolz auf sich.
- Aber wie du richtig bemerkt hast, wir Feuergestalten müssen aufpassen, dass wir heiß genug glühen, sonst geht es uns nicht gut, - setzte die Frau hinzu.
- Mama, was soll ich nur tun? - wiederholte das Mädchen ihre Frage.
- Ich kann dir keine fertige Lösung anbieten. Aber ich kann dir helfen, sie zu finden.
Das Mädchen schaute die Frau erwartungsvoll an.
- Frage dich doch bitte zuerst, wie wertvoll du dich fühlst. Wärst du bereit dich aufzuopfern? Wärst du bereit etwas zu tun, was den anderen gut tun würde, aber dir schaden würde?
- Nein, - schüttelte das Mädchen mit dem Kopf.
- Gut. Überlege dir mal, gibt es unterschiedliche Reaktionen auf dein Feuer?

Die Sonne ging unter, es wurde kälter, aber das störte die beiden nicht.
- Nein, nicht jeder reagiert gleich auf mich, - sagte das Mädchen nach einer Denkpause.
- Manche fangen mein Feuer und brennen mit mir, sie brennen, aber sie verbrennen sich nicht. Und manche können mich anfassen, fangen kein Feuer und bleiben auch heil.
- Stimmt genau. Und nun sag mir, mein Kind, warum ist das so?
- Weil jeder anders ist.
- Und diese Andersartigkeit gilt es zu respektieren.
- Das tue ich doch auch. Ich bin wie ich bin und so dürfen auch die anderen sein, wie sie wollen.
- Du bist schon sehr weise, meine Liebe, - lobte die Frau.
- Heißt das, ich soll diejenigen, denen ich zu heiß bin meiden? - fragte das Mädchen traurig.
- Nein, sollst du nicht. Lass dein Licht leuchten. Brenne so heiß, dass es dir gut tut. Lerne nur solche Menschen zu erkennen und in ihrer Gegenwart dein Licht etwas anzupassen. Vergiss aber nie, du bist ein Feuervogel. Lass dein Licht leuchten!

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