Donnerstag, 12. Mai 2016

Wie trauere ich?

Gestern bei der Abschiedfeier in der kleinen Kapelle füllten sanfte Klänge den Raum und mein Herz. Meine Seele verarbeitete es und liess alles mit Tränen nach Außen kommen.

Trauer. So was kenne ich bei mir nicht. Als meine Großeltern gestorben waren, war einfach nur ein Loch da. Aha, der Mensch ist nicht mehr da. AHA. Mehr nicht. Ein paar klägliche Tränchen bei der Beerdigung. Gefühlskalt war ich, würde ich sagen.

Diesmal ist alles anders. Ich fühle diese Traurigkeit der Menschen um mich. Ich fühle sie und stelle fest: Meine ist anders. Ich fühle ähnlich wie bei der Einschulung der Kinder. Loslassen. Es ist eine Traurigkeit, die mit Abschied verbunden ist. Neuanfang. 
 

Bei der Umgebung nehme ich wahr: Geh nicht! Nein, geh nicht! Es ist eine Ohnmacht, dass derjenige gegangen ist. Es ist die Trauer darüber, dass wir nie wieder das Lächeln dieses Menschen sehen werden. Nie wieder werden wir ihn hören oder sehen, wie er sich bewegt. Du bist weg, ICH vermisse dich.

Ich saß da, Tränen flossen über mein Gesicht und ich dachte: Gute Reise! Ich sah und spürte diese Seele, die unterwegs nach Hause war. Und ich fühlte, wie diese Nachrufe und diese Tränen diese Seele fest halten. Sie konnte das nicht verstehen. Mir geht es doch gut hier, warum weint ihr alle? Lasst mich ziehen...

Ich schreibe das in der Gefahr, dass mich manche nicht verstehen werden. Aber ich schreibe sozusagen auch im Auftrag dieser Seele und aller anderen Seelen, die gehen. Ja, es ist furchtbar, dass der Mensch sich von uns nicht verabschiedet hat. Und ja, es ist berührend, dass wir uns von ihm in so einer wunderschönen Weise verabschieden dürfen.

Aber bitte lasst sie gehen. Sie gehen, weil sie hier alles erledigt haben. Und dafür zu danken ist wertvoll.

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