Heute, am 7. 7. 2016 habe ich es getan, ich habe mich geheiratet.
Ich wollte ursprünglich im Stadtpark diese feierliche Zeremonie durch führen. Da gibt es einen schönen Weiher und ich dachte dass man sich da gut mit sich selbst weihen kann. Nach einer Verhandlung im Gericht (zu der ich auch schon in meinem Traukleid erschienen bin), musste ich aber fest stellen, dass um die Mittagszeit die Parksituation verheerend ist. Als ich dann doch eine kleine seitliche entdeckte und rückwärts rein fahren wollte, hörte ich auf einmal aufgeregte Huppgeräusche hinter mir. Mist, ich wäre fast in einen teuren BMW rein gefahren (((
Na gut, dann fahr ich nach Hause und heirate mich im Garten, dachte ich. Ich stand schon an der Ampel und dann fühlte ich, wie ich mich selbst verrate. Ich gebe etwas auf, was mir wichtig ist. Ich verschiebe es. Ich gebe zu schnell auf. Und so bog ich in die Innenstadt ein. Auch hier jedoch kein Parkplatz frei. Doch, hier direkt neben dem Brunnen, an den ich gedacht habe, als ich einbog.
Ich krammte Kleingeld für den Parkautomaten raus, stieg aus und wurde von wunderschönen Akkordeon-Klängen begrüßt. Just in dem Moment, wo ich zum Brunnen kam, fing die Kirche gegenüber an, ihr Mittag-Geläut an. Ich stand an diesem Brunnen, die Sonne schien und ich rollte mit zittrigen Fingern mein Ehegelübde aus. Hinsetzen? Nein, das würde dem das Würdevolle nehmen. Und so stehe ich vor dem Brunnen, feine Wasserspritzer im Gesicht und lese und weine.
Ich will für dich da sein.
Mit einem Seitenblick sehe ich einen Mann, der mich beobachtet und sich auf die Bank neben dem Brunnen setzt. Ich habe zu Ende gelesen und in dem Moment hören die Glocken auf zu läuten. Ich höre wieder die Melodie des Akkordeons, fühle mich etwas benommen und setze mich hin.
Ich will dich, dein ganzes Wesen - klingt es noch in mir nach. Ich rolle mein Gelübde wieder zusammen und beschließe einen kurzen Bummel. Ich gehe an bunten Markt-Ständen vorbei, ich werde von einem älteren Herren voller Bewunderung angeschaut, ich habe das Gefühl, ich gehe ohne den Boden zu berühren. Ich sehe mein Spiegelbild in einem Schaufenster und mir kommt es irgendwie seltsam vor, dass ich alleine gespiegelt werde. Ich fühle mich in bester Gesellschaft.
Ich komme wieder beim Auto an und fahre nach Hause. Nun was leckeres Essen. Ravioli mit Käsesoße - das hätte ich gerne.
Ich werde dir jeden Wunsch von den Lippen ablesen - höre ich es wie ein Echo aus meinem Ehegelübde.
Ja, dann eben Ravioli mit Käsesauce. Aber vegan, weil es mir besser tut. Ja, ich bin es mir wert, diese Sauce jetzt noch zu kochen.
Ich spüre jetzt schone eine Veränderung. Ich bin wertvoll, ich bin so wertvoll, dass ich glaube, dass ich mit mir selbst verheiratet sein will.
Und das feiere ich mit einem Gläschen Hugo. Hoch die Tassen! Auf mich und mein wunderbares Wesen :-)
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