Dienstag, 1. September 2015

Mein Herz brennt für die Montessori-Schule in Eberharting

Ich bin gefragt worden, ob ich mit der Schule meiner Kinder zufrieden bin. Nein, bin ich nicht. Ich bin begeistert! Und ich habe alles, was ich dort bewundere, aufgeschrieben. 

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Bevor ich alles aufzähle, was ich dort toll finde, erst zu den Fragen, von demjenigen, der mich gefragt hat, ob ich die Schule mag. Wille, Ausdauer und Durchhaltevermögen, ob das Kind es dort lernt. Wenn man unter "Wille" versteht, dass man seine Impulse und Wünsche unterdrücken lernt, dann bist du an der Monte falsch. Wenn man unter "Wille" versteht, dass man gesteckte Ziele erreicht, dann schon. Ausdauer und Durchhaltevermögen. Hospitiere mal in einer Monte (geht jederzeit nach Absprache) und beobachte die Kinder.

Ich war fasziniert von dem einen Mädchen damals beim ersten Besuch in der Monte. Es saß 45 Minuten an ihrem Rechenheft oder was das auch war. Sie war so 6-7 Jahre und hat sich nicht abgelenkt, war nicht gelangweilt und sah auch nicht aus, als ob man sie zwingt. Sie saß da und hat gerechnet, weil es ihr gerade Freude machte. Sie war fast traurig, als die Lehrerin ihr sagte, nun ist Abschlusskreis.

Und dann habe ich was bei uns beobachtet, beim "Schachbrett". Das ist so eine Tafel mit farbigen Quadraten drauf. Etwas schwer zu erklären, es dient zum Rechnen. Die Aufgabe: 3602 mal 5 (670 geteilt durch 12). Es werden für die Einser, für die Zehner, für die Hunderter und für die Tausender jeweils verschiedene Figuren genommen. Also 2 rote Figürchen, 6 blaue für die Hunderter und 3 grüne für die Tausender und dann wird das auf dem Brett verteilt. Hättest du die Geduld einen Tausender in zehn Hunderter zu wechseln? Das alles abzuzählen? Und dann auch zurück zu tausschen? Ich nicht, die Kinder schon.

Sie sitzen dann ewig lang rum und fühlen die Zahlen. Es besteht ein Bezug zu dem was sie machen. Nicht nur trockene Zahlen, sondern Plättchen, Stäbchen, was auch immer. Somit wären wir beim ersten Unterschied zum normalen Unterricht. Hüther sagt: Man lernt nur, wenn Gefühle im Spiel sind. Also wenn du dabei nix fühlen kannst, dann lernst du es auch nicht. "Man lernt nur von einem, den man liebt." Man versucht möglichst viele Sinne einzuschalten. Klar, riechen und schmecken ist nicht so einfach, aber das hat man dann in den Rechenaufgaben. Wenn Maxi 2 leckere Äpfel hat und er sie dann an drei Kinder aufteilt, wie viel hat jeder.

Mich begeistert an der Schule der respektvolle Umgang. Alle werden per du angeredet und doch herrscht Achtung vor jedem und auch allem. Vor der Natur und den Gegenständen im Klassenzimmer. Die Lehrer sind immer ausgeglichen und ruhig, streng, wenn es sein muss (nein, mache bitte dieses Blatt fertig, dann kannst du malen) und doch liebevoll.

Wir haben keine Reihen in den Klassen, die Tische stehen gruppiert je nach Klassenstufe. Also Erstklässler, Zweitklässler und Drittklässler. Wobei nicht das Alter entscheidend ist, sondern die Freundschaft und wie weit ein Kind ist. Maja saß als Erstklässler mit einer Zweitklässlerin zusammen. Die Kinder arbeiten viel auf dem Boden und mit viel Material. Alle möglichen "Lernspiele" stehen zur Verfügung. Ob zum Rechnen oder Rechtschreibung üben. Wobei das mit der Rechtschreibung erst in der dritten Klasse kommt. Erst soll die Freude am Schreiben kommen, dann lernen sie, wie man "richtig" schreibt.

Der Tag beginnt mit einem Morgenkreis. Sanfte Musik aus dem CD-Player und alle wissen, aha, wir setzen uns zusammen. Die Lehrer erzählen, was heute an Angeboten statt findet (Sport, Filzen, Werken, Natur, Basteln etc.) und die Kinder wählen selbst aus, wer was möchte. Die Lehrer lenken vorsichtig. Also wenn ein Kind nur immer Sport möchte, versucht man ihn auch von Filzen zu begeistern. Und im Morgenkreis entscheiden sich die Kinder auch, welches Heft oder welche Aufgaben sie heute weiter machen wollen.

Weitere Unterschiede zu normalen Schulen:
- keine Noten, keine Zeugnisse (nur Izel, also wo steht mein Kind, wie geht es ihm, was hat es das halbe Jahr über gemacht etc.)

- keine Pflicht-Hausaufgaben (die Kinder dürfen zu Hause an einem Heft weiter arbeiten, müssen aber nicht)

Und dann lernen die doch was? Und ob! Ein halbes Jahr nach Schulbeginn wurde vom KiGa ein Treffen aller Erstklässler animiert. Also alle Kinder aus einer Gruppe, die in diesem Jahr eingeschult wurden. Jeder sollte auch seinen Schulpack mitnehmen und zeigen, was er alles macht und schon kann. Wir kamen mit unseren fünf Heften und die Erzieherin war sprachlos. Lera hat das Lesebuch komplett fertig gelesen, was man zum Schuljahresende hätte hinkriegen müssen. Sie hatte mit Zahlen wie "425" oder "679" gerechnet.

Die Monte-Kinder lernen noch viel mehr als in den normalen Schulen, weil sie nach ihrem Tempo gehen dürfen und es dann gerne tun. Ein Kind also, dass schon rechnen und schreiben kann, muss nicht auf die anderen warten. Und umgekehrt auch. Wenn es noch nicht flüssig liest, dann fühlt es sich nicht schlechter deshalb.

Und das Wissen, was die Kinder dort bekommen ist sehr wohl nützlich. Wie viel die Kinder über Tiere und Pflanzen forschen. Ich kenne mich inzwischen da schon weniger aus. Forscharbeit, noch so was, was es bei normalen Schulen nicht gibt. Die Kinder suchen sich selbst ein Thema aus. Sagen wir mal, Polarfuchs, Pausen ein Bild von ihm ab und schreiben etwas Text auf ein Blatt Papier ab. Anfangs sind es nur ein paar Worte. Dann werden es echte Texte. Begeisterung ist hier das Schlüsselwort.

Sollen nicht Wert auf Freude, Leichtigkeit und Spaß am Wissen und seiner Anwendung im Mittelpunkt zusammen mit Qualitäten der emotionalen Intelligenz stehen?
Bingo. In der Monte ist das sehr wichtig. Nicht pauken, sondern neugierig sein. Ich muss gestehen, ich habe ca. 90 % davon, was ich an der Schule gelernt habe, wieder vergessen. Ich habe keine Ahnung wie die Photophyse wirklich funktioniert und wie mein Herz nun wirklich aussieht. Meine Kinder werden mich da echt überholen )))

Meine Entscheidung war damals intuitiv, ich habe das Gefühl gehabt, dass es den Kindern dort gut gehen wird. Und natürlich wollte ich meine Nerven schonen, keine Hausaufgaben, das klang zu verlockend. Die Tochter meiner Cousine ist mit Maja gleich alt, wir haben uns früher oft getroffen. Nun geht das nicht mehr so oft. "Kommt ihr?" - "Wir müssen erst Hausaufgaben machen." Schade. Dem Kind wird ein Riesen-Stück Kindheit genommen.

Es soll ja ein Kunde / ein Käufer aus dem Kind werden, das ist das Ziel von Schulbildung, wenn ich das so sehe. Es soll wie alle sein, glauben, dass es nicht gut genug ist, damit es schön manipulierbar ist. Selbstbestimmung? Fehlanzeige. Wissen, was man wirklich will? Gefährlich. Glaube an sich? Dann will es ja mitbestimmen! Um Gottes Willen!

Ich hoffe, ich habe eine gute Übersicht geliefert. Wenn Fragen da sind, her damit. Hier ist noch der Link zur Homepage von der Schule: http://www.erdkinder.de/
Wobei ich den Auftritt nicht so schön finde, es zeigt überhaupt nicht, was es wirklich ist. Keine Schule, eher eine große Familie ))

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