- Setz dich und trink erst einmal einen Tee, - fuhr die Hexe fort. - Und während du deinen Tee trinkst, kannst du hier ankommen und dich umsehen. Man fühlt sich sich hier sicher und geborgen, nicht wahr?
Das alte Häuschen war sehr gepflegt und hatte seinen eigenen Charme. Kräuterbündel hingen in der Ecke und verbreiteten einen angenehmen Duft.
- Und nun fühle mal in deinen Körper hinein. Wir werden heute jemandem ganz viel Gehör schenken, nämlich deinem Kopf, deinem Herz und deiner Yoni. Du siehst verwirrt aus? Weißt du nicht, was eine Yoni ist? Das ist ein anderer Begriff für deine Vagina und Vulva. Ach, das wusstest du schon? Warum warst du dann verwundert?
- Wie soll ich mit meinem Kopf reden? Und mit meinem Herz? Und dann noch mit meinen Geschlechtsorganen?
- Ganz einfach. Wir werden ihnen fragen stellen und du wirst mir sagen, was sie antworten. Lass es uns einfach mal versuchen, ja?
- Kopf, wir laden dich auf ein Gespräch ein. Magst du uns erzählen, was für dich Weiblichkeit ist?
- Weiblichkeit ist, wenn eine Frau sehr gepflegt ist, wenn sie auf ihr Äußeres schaut, - kam es aus mir schneller, als ich über diese Antwort nachdenken konnte.
- Aha, interessant. Eine Frau, die ihren Körper einfach hinnimmt, ihn als selbstverständlich und funktional betrachtet, strahlt somit keine Weiblichkeit aus?
- Doch, eigentlich schon. Ich finde diese Aussage völlig übertrieben. Es ist eine Sache, wenn eine Frau mit fettigen Haaren rumläuft, ihre Fingernägel voll Dreck sind und sie unangenehm riecht, weil sie sich nicht oft genug wäscht. Und es ist eine völlig andere Sache, wenn eine Frau richtig versteift darauf ist, immer perfekt gestylt und geschminkt zu sein.
- Wenn es eine fiktive Person gäbe, die deinen Verstand in dieser Angelegenheit darstellt, wer wäre da auf der Bühne?
- So eine Frau wie ein Püppchen, die von Kopf bis Fuß einfach perfekt aussieht. Schlanke Figur, nach dem neuesten Trend angezogen, Stöckelschuhe, Fingernägel lackiert, Haare frisiert und natürlich ein perfekter Teint und was noch so an Gesichtsbemalung dazu gehört.
- Die Arme, die muss ja ewig viel Zeit für all das verschwenden. Die tut mir richtig leid.
- Ja, mir auch. Und glauben tue ich ihr nicht. Weiblichkeit ist was anderes.
- Kopf, kannst du uns noch eine Frage beantworten? Wie fühlst du dich?
- Angespannt. Vor allem im Kieferbereich, aber auch die Stirn ist oft nicht entspannt.
- Was wünschst du dir, Kopf?
- Er sagt: „Ich will alle zum Teufel jagen! Ich habe keine Lust auf strenge Vorgaben.“
- Ist ja spannend! Heißt es, dass ihn diese Vorgaben von außen hindern?
- Ja, absolut! Dabei hat er sie selbst sich ausgedacht. Man muss das alles nicht machen, um sich weiblich und schön zu fühlen.
- Und welche Farbe wäre da im Kopf in Bezug auf Weiblichkeit?
- Beige. So ein strenges Beige, wie der Rock und das Jackett der super gepflegten Frau.
- Strenges Beige? Und das soll weiblich sein?
- Nein, ich sag ja, ich glaub dem Verstand nicht. Ich denke, er ist einfach zu verkopft.
- Wollen wir vielleicht mal dein Herz fragen? Herz, wie fühlst du dich?
- Das Herz sagt, dass es sich vom Kopf unter Druck gesetzt fühlt. Das Herz ist bedrückt.
- Bedrückt also, interessant. Was wünscht es sich?
- Ich weiß es nicht, da kommt keine Antwort.
- Lass uns eine andere Frage stellen. Wie fühlst du dich noch? Bedrückt und wie noch?
- Müde, erschöpft und auch wütend irgendwie. Es sagt: „Es reicht!“. Es will sich nicht anpassen an das, was der Kopf sagt.
- Und was wünscht es sich?
- Es will ruhiger schlagen, freier und entspannter. Es will nicht ständig vom Verstand gehetzt werden. Es will innehalten und sich über die kleinen Dinge des Lebens freuen.
- Und was ist Weiblichkeit aus der Sicht vom Herz?
- Weichheit und Sanftheit. Das Herz will dies durch Gelassenheit ausleben.
- Und was hindert es daran? Warum lässt es sich vom Kopf so stressen?
- Es denkt, eine Frau darf nicht weich sein. Sie muss sich verteidigen können, sie muss bereit sein zu kämpfen. Jederzeit.
- Oh je, das hört sich nach viel Anstrengung an. Ist das wirklich die weibliche Art?
- Nein, überhaupt nicht. Und es will den Kopfsätzen nicht folgen. Dieses „eine Frau muss dieses und jenes tun, damit sie als Frau angesehen werden kann. Sonst ist es…
- Sonst ist es was? Macht ein Kleid eine Frau wirklich aus? Sag bloß, du hast noch nie Frauen im Klein gesehen, die nichts von Weiblichkeit an sich haben? Und diese gepflegten Püppchen, strahlen sie wirklich Weichheit aus? Stress und Unsicherheit wohl eher, oder? Welches Gefühl hat das Herz denn eigentlich?
- Es ist traurig, dass es nicht ans Ruder darf. Dass der Kopf zu oft die Richtung vorgibt.
- Und ist das vielleicht eine fiktive Person?
- Ja! So eine Frau in einem schwarzen Gewand mit einer breiten roten Kante an den Ärmeln und am Ausschnitt. Wu-Wei würde ich sie nennen, das bedeutet Nicht-Handeln. Sich zurück lehnen und abwarten. Nicht stressen, nicht hetzen.
- Wundervoll! Wollen wir uns nun der Yoni widmen? Wie geht es ihr? Wie fühlt sie sich?
- Du meine Güte! Sie sagt, sie fühlt sich so schwer an, so angespannt und hält gerade noch so durch. Sie ist kurz vorm Zusammenbruch, würde ich sagen.
- Ist sie in der Vergangenheit, im Jetzt oder in der Zukunft?
- Eindeutig in der Vergangenheit. Sie hat Angst vor ungefragtem Eindringen. Ist auch in so einem Modus der Verteidigungsbereitschaft, weiß aber auch, dass der Kopf da zu viel Einfluss hat uns selbst wenn sie nicht will, wird der Kopf ein „Ja“ rausholen.
- Und was sagt sie über Weiblichkeit?
- Weiblichkeit ist Flow, ein freies Fließen, dieses „heute so und morgen anders“ und alles darf sein. Die ständigen Veränderungen annehmen, mit ihnen leben, nicht gegen sie ankämpfen.
- Das hört sich auch sehr ähnlich nach dem, was das Herz gesagt hatte.
- Ja, sanft und weich mit dem Strom schwimmen, alle Gegebenheiten einfach hinnehmen.
- Wie fühlt sie sich noch? Außer angespannt. Vielleicht will sie dir was sagen?
- „Endlich siehst du mich! Endlich schenkst du mir Gehör!“
- Oh, so viele Ausrufezeichen?
- Ja, da ist Wut und Verärgerung darüber, dass ich nie auf sie geachtet habe, nie mit ihr gesprochen habe. Und das ist auch Traurigkeit über die Tatsache. Aber da ist auch Dankbarkeit, dass ich es endlich tue.
- Welche Wünsche hat deine Yoni?
- Sie möchte, dass ich mit mehr Vertrauen durchs Leben gehe.
- Und wenn es eine fiktive Person wäre?
- Dann wäre es eine weiche, runde Frau, die mit einem entspannten Hüftschwung durchs Leben geht. Sie hat ein violettes langes Kleid an und sie kümmert sich nicht um ihr Äußeres.
- Gar nicht?
- Nein, so war das nicht gemeint. Sie bewegt sich gerne, weil es ihr Freude macht und nicht, weil sie daduch eine gewisse Figur erreichen möchte. Sie ernährt sich gesund, weil sie ihren Körper gut versorgen möchte, ihm Wertschätzung schenken möchte und nicht, weil sie Angst hat zuzunehmen. Sie pflegt ihren Körper, weil es sich gut anfühlt ihn so zu beschenken und nicht weil sie von Außen Anerkennung möchte.
- Das ist ein sehr schönes Bild, weißt du das? Ich mag diese Einstellung.
- Ich auch. Danke dir vielmals, dass du mir geholfen hast, diese Antworten zu finden.
- Jederzeit gerne, meine Liebe, jederzeit.
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