Montag, 16. März 2026

Du tust mir weh

Manche Menschen greifen zur Zigarette, wenn sie Stress oder Probleme haben, manche zur Flasche. Die einen gehen ins Fitness-Studio und schwitzen dort bis zum Umfallen, die anderen sind Meister darin so zu tun, als ob es gar kein Problem gäbe.

Und ich? Ich gehe in den nächstgelegenen Park, wo eine uralte Eiche steht. Und unter der Eiche steht eine sehr gemütliche Parkbank, auf die ich mich auch niederlasse. In meiner Tasche habe ich hochqualitativen, wenig gesalzenen Schinken für eine besondere Helferin: Eine sprechende Katze.

Beim ersten Treffen vor vielen Jahren wollte ich mich in die Psychiatrie einweisen lassen. Damals kam ich aufgelöst in den Park, mir war zum Heulen zumute, ich war verzweifelt und wusste einfach nicht weiter. Als ich mich auf die Bank setzte und mein Sandwich mit dem besagten wenig gesalzenen Schinken heraus holte, kam vom Baum eine schwarze Katze herunter. Sie sah zwar gut genährt und absolut nicht nach Straßenkatze aus, aber sie zeigte so intensives Interesse an meinem Sandwich, dass ich ihr ein Stück abbrach und auf die Bank neben mir legte.

Die Katze hat geschickt das Brot zur Seite geschoben und den Schinken mit größtem Vergnügen und leichtem Knurren verschlungen. Dann schmiegte sie sich schnurrend an mein Bein, streifte mit dem Kopf meine Hand und sah auf mein Sandwich. Daraufhin habe ich ihr den Schinken auf die Bank gelegt und auf dem Brot ohne Belag gekaut. Als die Katze mit ihrer „Beute“ fertig war (es war ja schließlich ehrlich erbeutet, auch wenn nicht frisch gejagt), sah sie mir in die Augen und sagte ganz deutlich „Danke dir.“

Keine Ahnung, was andere tun würden, wenn sie eine Katze sprechen hören.

Mir fiel die Kinnlade runter und ich starrte die Katze ungläubig an. Halluziniere ich nun schon? Die Katze hat daraufhin mit den Augen gerollt und meinte nur:

- Warum habt ihr Menschen alle bloß ein Problem damit, wenn die Welt anders ist, als ihr sie kennt? Chill, Baby, ja, ich spreche und ja, das ist ein Eichenbaum. Klingelt da bei dir was?

- Hatul Madan? – fragte ich verdutzt und musste in dem Moment so breit grinsen, dass mir die Backen weh taten. Wer die Geschichte vom weisen Kater aus dem Märchen von Alexander Puschkin noch nicht kennt, der kann sich mal nach einer Kurzerzählung von Wladimir Kaminer umsehen.

- Oh, du kennst meinen Namen! – freute sich die Katze und grinste zurück.

- Und bist du auch so weise, wie man dich beschreibt? Aber du bist eine Katze, oder? Kein Kater? – purzelten damals Fragen aus mir heraus.

- Ach, Puschkin hatte einfach keine Ahnung! – wischte sie mit der Pfote ziemlich menschenhaft durch die Luft.

- Aber weise bin ich, das kann man nicht abstreiten, - fügte sie hinzu.

- Weisheit könnte ich gerade sehr gut gebrauchen, - seufzte ich damals und wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte ihr von meinen Problemen und sie gab echt gute Ratschläge.

Seitdem gehe ich in den Park zur großen Eiche, wenn ich in Bedrängnis bin. Es ist fast schon ein Ritual. Zuerst versuche ich meine weise Beraterin in den Ästen zu entdecken, dann packe ich den Schinken aus, lege ihn auf die Bank neben mir und warte. Meine Hatul Madan lässt nicht lange auf sich warten und nachdem das Papier sauber geschleckt wurde, schaut sie mich fragend an. Heute ist es nicht anders.

- Na, was ist los, meine Liebe? Was plagt dich? – fragt sie und schleckt sich genüsslich übers Maul und putzt sich dann kurz aber gründlich das Fell im Kopfbereich. Das gibt mir Zeit meine Gedanken zu sortieren.

- Mein Mann hat mich verletzt, will es aber nicht einsehen, - setze ich an.

- Er sagt, er trägt keine Schuld dafür, dass ich auf ihn beleidigt bin. Er habe mir keine Vorwürfe gemacht. Das habe ich ja noch irgendwie auflösen können, habe erkannt, dass ich zu viel Verantwortung für seine Beziehung zu unserer Tochter übernommen habe. Wenn ich mich dafür nicht verantwortlich fühle, dass er ein gutes Verhältnis zu den Töchtern hat, dann ist es mir tatsächlich egal, wenn er sagt, ich erzähle ihm nichts über die Töchter.

- Oh, das hört sich gut an. Du hast schon einiges an Weisheit in dir herangezüchtet, - entgegnet mir die Katze. Ich nicke, ich kann solches Lob inzwischen gut annehmen.

- Es gab aber noch eine Konfliktsituation, die mich aus der Bahn geworfen hat. Er hat die Tochter später zum Weinen gebracht.

- Und?

- Was und? Wenn sie wegen ihm weint, dann kommt sie vielleicht seltener zu uns und ich sehe sie seltener.

- Das wäre ein Problem?

- Nein eigentlich kein richtiges Problem. Wir schreiben uns ja fast täglich. Und normalerweise hätte ich kein Problem damit, wenn sie weniger oft kommen würde. Aber jetzt geht es ihr nicht so gut und ich möchte nicht wieder die Situation haben, dass ich ihr die Unterstützung nicht bieten kann, die sie evtl. bräuchte.

- Du weißt ja, dass ich ein bisschen die Kunst des Hellsehens beherrsche, ja? Mit der Tochter ist schon ein Schuldthema bei dir verbunden, aber ich glaube, dass da ein anderer Trigger gerade richtig fett gedrückt wird. So was wie: „Du hast mir weh getan und du willst das nicht wahr haben.“

- Ich habe einfach die Befürchtung, dass er wieder so grob zu der Tochter ist und dann nicht erkennen will, dass das nicht angemessen war! – brichte es aus mir wütend heraus.

- Nehmen wir mal an, du hättest in deiner Anamnese keinen Bruder, der dich verletzt hat. Und in dir gäbe kein verletztes, kleines Mädchen, das sich sehnlichst wünscht, dass er sich entschuldigt. Wie würde die Erwachsene auf solches inadäquates Verhalten vom Mann reagieren?

- Es würde den Mann sanft darauf hinweisen, dass ich verstehe, dass er gerade versucht etwas rüber zu bringen, sein Ton aber gerade aggressiv ist. Ich würde ihn umarmen, ihm zeigen, dass ich das nicht verurteile, aber nicht unbedingt für wünschenswert halte. Und wenn er nicht hinhört, würde ich mit der Tochter einfach kurz das Haus verlassen. So wie damals mit der älteren Tochter.

- Dann geht es gerade nicht um die Tochter und den Mann, sondern um dich und deinen Bruder, richtig? – fragt meine weise Katze und ich zeige mein Einverständnis mit einem Nicken.

- Sieht ganz so aus. Also wieder in sich buddeln? Eine Wahl habe ich ja nicht wirklich, oder? – frage ich leise und frustriert.

- Na-na, was soll diese Weltuntergangsstimmung der absoluten Ausweglosigkeit? – tadelt mich die Katze.

- Es frustriert mich einfach nur so dermaßen. So viel habe ich schon verarbeitet und jedes Mal denke ich mir, es sei erledigt. Und dann kommt wieder eine Schicht zum Vorschein und ich komme mir wie Sisyphus vor.

- Das ist nachvollziehbar, aber du musst zugeben, dass es schon sehr viel weniger Themen geworden sind und du nur noch seltenst getriggert wirst, - ich nickte wieder.

- Und ich komme viel schneller mit den inneren Prozessen voran, - fügte ich hinzu.

- Sehr gut! Dann lass uns doch mal diesem kleinen Mädchen Raum und Zeit geben. Guck mal, wie sie sitzt oder steht, lass sie sprechen.

- Sie sitzt auf dem Boden in einem schwarzen Raum, in dem die Wände und die Decke nicht sichtbar sind. Der Raum strahlt erschreckende Leere aus. Sie hat sich zusammen gekauert, umfasst ängstlich ihre Knie, versteckt ihr Gesicht im Schoß. Sie fühlt sich einsam, verlassen und wertlos. Sie denkt, wenn sie so behandelt wird, dann hat das schon seine Begründung, die dürfen das so machen, sie haben ein Recht darauf.

- Ich bin eine Null, ich bin die Nichtigkeit in Person, mit mir kann man nur so umgehen.

- Sie spricht mit dir, das ist gut, - zeigt sich die Katze erfreut.

- Naja, sie spricht nicht mit mir. Sie wiederholt das eher wie ein falsches Mantra. „Ich bin nichts wert, ich bin nichts wert…“

- Was kannst du ihr sagen? – fragt mich die Katze.

- Das stimmt überhaupt nicht, Kleines! Du bist wertvoll, du bist gut, du hast dir nur etwas zurecht gedacht. Es war schwer für dich solches Verhalten zu verarbeiten und du hast dir gesagt, dass wenn sie mit dir so umgehen, dann muss wohl mit dir etwas nicht stimmen. Aber das ist Unsinn. Du hast dich damals getäuscht und glaubst nun etwas, was nicht stimmt. Du bist wertvoll. Sehr wertvoll.

Ich habe inzwischen die Augen geschlossen und bin komplett in diesem Prozess. Ich sehe diesen beängstigenden Raum, ich sehe das kleine Wesen auf dem Boden und ich habe tiefstes Mitgefühl mit ihr.

- Würde sie sich umarmen lassen? – gibt mir die Katze einen Hinweis.

- Ich glaube nicht, sie ist gerade total in Abwehr und hat eine eindeutige Schutzhaltung - schüttele ich den Kopf.

- Dann sprich einfach weiter zu ihr.

- Meine Kleine, ich liebe dich und ich möchte dich am liebsten in den Arm nehmen und fest halten. Ich möchte dich beschützen und mir bist du sehr wichtig. Jungs sind manchmal echt grausam, ja, aber das ändert nichts an deiner „Guthaftigkeit“. Du bleibst eine gute, reine, wunderbare und leuchtende Seele.

- Ich will, dass sie sich entschuldigen. Ich will, dass sie es bereuen.

- Und was bringt dir das? – fragt die Katze mit meiner Stimme das Kind in mir. In solchen Momenten habe ich immer wieder das Gefühl, dass die Katze nur mein Hirngespinst ist, aber das ist mir ehrlich gesagt egal. Es hilft, das ist wichtig. Und bei Selbstgesprächen hat man ja immerhin auf jeden Fall einen guten Gesprächspartner.

Der Dialog hat angefangen und ab hier gibt es nur die Erwachsene und das Kind, die Katze verschmilzt mit der Erwachsenen. Sie spendet ihr Weisheit und stellt die passenden Worte zur Verfügung.

- Wenn sie sich entschuldigen, wenn sie es bereuen, dann werden sie einsehen, dass es ihr Verhalten mir weh getan hat und weh tut. Und dann ändern sie sich, - spricht die Kleine fast farblos.

- Leider bezweifele ich das sehr stark. Menschen sind unvollkommene Wesen. Sie haben alle ihre eigenen Verletzungen und sie verletzen, weil ihre Wunden weh tun.

- Aber warum? Warum ist es so unfair? Die Menschen leiden an ihren Wunden und verletzten dann mich. Ich bin doch nicht schuld an ihrem Schmerz!

- Nein, das bist du nicht. Du bist wunderbar so wie du bist. Du bist vollkommen, du musst nichts an dir verändern. Die alten Verletzungen aus der Vergangen, deine Verletzungen sind aber meine Trigger. Dann kommt mein Mann und öffnet mit einem Wort, mit einer Handlung oder mit etwas, was er nicht sagt oder tut, diese alte Kiste. Ich möchte dir helfen es zu heilen. Ich bin der Doktor, wenn du es so haben willst, der die alten Wunden von Eiter säubert und gut vernäht. Verstehst du das?

- Ja, - das Kind hat inzwischen den Kopf von den Knien erhoben. Es sitzt aber immer noch auf dem Boden und umklammert die Schienbeine.

- Ärgerst du dich über deinen Bruder und seine Freunde, die gemein zu dir waren?

- Das ist weit untertrieben. Ich hasse ihn zutiefst! – zischt sie und presst ihre Lippen aufeinander.

- Oh, Hass ist ein sehr starkes Gefühl. Bist du sicher, dass du ihn hasst? Ihr hattet ja auch eine Menge schöner Momente.

- Du hast Recht, - lenkt das Mädchen ein und stützt sich mit einer Hand auf den Boden ab. Sie öffnet sich langsam, das freut mich sehr.

- Du hast Recht, ich hasse sie nicht. Sie sind das Ergebnis von falscher und schlechter Erziehung. Ich hasse die Eltern für ihre Inkompetenz.

- Inkompetenz, wow, das ist ein kompliziertes Wort. Ich bin positiv überrascht, dass du das kennst. Die Eltern sind aber auch Opfer von ihren Eltern. Hasst du dann auch die Großeltern?

- Nein, da müsste man schon die Umstände hassen oder Hitler, dass der zweite Weltkrieg so viele Menschen seelisch verletzt hat. Ich habe auch keinen Groll mehr. Unter der Wut hat sich viel Traurigkeit und Schmerz versteckt. Ich fühle mich so einsam und es tut hier so weh, - sie lässt ihre Beine los und deutet mit der zweiten Hand auf ihre Brust.

- Und mir ist so kalt. So verdammt kalt, - flüstert sie.

- Möchtest du auf meinen Arm? Ich würde dich umarmen und aufwärmen.

- Ich weiß nicht, ich habe Angst, dass du mich dann wieder verlässt.

- Ich werde dich nie verlassen. Ich werde immer bei dir sein. Ich bin jetzt hier bei dir und ich möchte dir helfen. Wichtig ist, dass ich jetzt da bin. Zumindest einmal Wärme zu spüren ist doch besser, als ewig zu frieren, oder? – frage ich sie sanft.

- Nein, das stimmt nicht. Nach Wärme fühlt man die Kälte noch stärker.

- Aber es wird kein danach geben. Ich werde dich nie im Stich lassen, ich werde dich immer wärmen und warm halten. Und ich war immer für dich da. All die letzten Jahre seitdem ich gelernt habe dich in mir wahrzunehmen. Manchmal nimmst du aber so viel Raum ein, dass die Erwachsene keinen Platz auf der inneren Bühne einnimmt.

- Willst du sagen, dass ich eine Drama Queen bin?

- Ein bisschen, aber ich liebe dich und verstehe auch, warum du so viel Raum einnimmst. Dein Schmerz ist so groß, dass er alles übertüncht. Du bist nichtsdestotrotz mein kleiner Schatz, mein kleines Wunder. Magst du auf den Arm?

- Ja, ich will, - die Kleine steht unsicher auf und schaut mich fragend an.

- Oh, ich sehe, wie schwer für dich das Stehen ist. Es ist als ob du die ganze Welt auf deinen Schultern trägst. Komm, gib mir was von deiner Last ab. Lass mich dich hochheben. Dann trage ich dich und du kannst mir alles abgeben.

- Schaffst du das? Ist dir das nicht zu viel? – fragt sie kaum hörbar.

- Ja, ich schaffe das. Guck mal, wie groß und stark ich bin, - ich mache einen kleinen Schritt auf das Kind zu und sie nähert sich mir auch an. Dann umklammert sie meine Oberschenkel. Ihr Kopf drückt sich an meinen Bauch. Ihre Arme zieht sie hoch und ich nehme sie unter den Achsel hoch. Ihre Nase berührt mein Schlüsselbein, sie atmet laut und ihr Atem kitzelt ein wenig. Ich streichele vorsichtig über ihren Rücken, sie zuckt kurz zusammen, entspannt sich dann aber wieder.

- Sie waren so grausam, - schluchzt sie leise und wird dann lauter.

- Das hat mir so weh getan! Und es ist noch viel schmerzhafter zu sehen, dass sie meinen Schmerz nicht wahrnehmen. Es war ihnen egal! – sie zittert und schluchzt nun stark. Ich fahre ihr beruhigend über den Rücken, klopfe leicht auf den Schulterblätter und streiche ihr über die Haare. Sie sind so weich und riechen nach Kindershampoo.

- Ich habe mit dir Mitgefühl. Die anderen konnten für dich kein Mitgefühl haben, sie wussten nicht wie. Menschen sind manchmal unvollkommen. Jetzt bist du aber in Geborgenheit, ich beschütze dich, ich halte dich fest, ich bin da für dich. Mit mir bist du in Sicherheit.

- Wirklich? – fragt sie und putzt ihre laufende Nase an meiner Schulter ab. Ich lächele nur und sage so sanft ich nur kann:

- Wirklich. Mit mir bist du in Sicherheit. Für immer und ewig. Lass deinen Tränen freien Lauf.

- Es tut so weh! Das war soo gemein! Und das war einfach niederträchtig! – bringt sie stotternd aus sich.

- Ja, das war es. So ist das Leben manchmal. Aber jetzt bist du hier bei mir und du bist in Sicherheit. Hier kannst du schwach sein, hier kannst du dich mit allem zeigen, was du bist.

- Du bist da und davon tut es noch mehr weh! Damals hatte ich niemanden! Warum?!

- Warum ist keine gute Frage. Eher wozu.

- Und wozu? – fragt sie mit einer verärgerten Note in ihrer Stimme.

- Damit du stärker wirst. Damit du diese Erfahrung machen kannst.

- Ich will das nicht hören! Das ist Quatsch mit Soße! Wie kann man diese Erfahrung machen wollen?

- Aber wie willst du sonst Vergebung lernen? Ich halte dich fest, ich bin hier bei dir. Ich gebe dir Wärme, Schutz, Liebe, Geborgenheit. Und ich verlasse dich nie. Niemals!

- Wirklich niemals?

- Wie könnte ich auch? Und weißt du was? Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät. Weißt du noch damals nach dem Seminar? Da hat deine kindliche Energie den ganzen Körper eingenommen und es war wundervoll. Es war sehr wertvoll. Du bist lebendig und du bist ein Teil von mir, das schätze ich sehr wert.

- Du schätzt meine Freude wert. Und was ist mit dem Schmerz?

- Du bist du. Du hast einiges durchgemacht. Damals warst du allein und jetzt hast du mich. Jetzt werde ich dir immer helfen und immer bei dir sein. Du musst nie wieder mit Schwierigkeiten allein zurecht kommen.

- Versprochen?

- Indianerehrenwort, - lächele ich sie an.

Das Kind sitzt auf meinem Arm, ich halte es ganz fest und sie scheint nicht mehr so traurig zu sein. Sie genießt meine Wärme und dass sie hier und jetzt alles sein darf. Traurig und wütend, voller Schmerz und Vorwürfe. Ich habe ihren Schmerz gesehen und das hat ihr gut getan.

- Ich habe da noch eine Idee. Wollen wir diesen Raum nicht mal ein bisschen erhellen? Sieh mal, ich habe hier eine Kerze und Zündhölzer. Magst du hier ein bisschen Licht hineinbringen? – sie nimmt unsicher die Streichhölzer in die Hand.

Das erste Hölzchen bricht, das zweite zündet nicht, das dritte entflammt und wird behutsam an den Docht geführt. Die Kerze flackert zuerst und wird dann heller.
- Sieh mal, wir sind hier gar nicht allein, - sage ich ihr leise ins Ohr.

Um uns herum stehen viele Menschen und sobald sie unser Licht sehen, entflammt eine Kerze in ihrer Hand.

- Du warst niemals allein, - flüstere ich. – Sie waren immer alle da...


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